
Am Freitag, dem 20. März, ging der Ramadan für Muslime auf der ganzen Welt zu Ende. Dieses Fastenmonat endet mit einem großen Fest, das Eid al-Fitr (Fest des Fastenbrechens) genannt wird.
Für Christen, die in muslimischen Ländern leben, geht ein schwieriges Monat zu Ende. In einem muslimischen Land Christ zu sein, ist an sich schon herausfordernd – aber während des Ramadan ist es noch schwieriger.
Der gesellschaftliche Druck, dass Nicht-Muslime nicht vor ihren muslimischen Nachbarn, Kollegen oder Freunden essen, ist enorm. In einigen Ländern ist es sogar gesetzlich verboten, während der Fastenzeiten zu essen, unabhängig davon, ob man Muslim ist oder nicht.
Im Irak beispielsweise verbietet ein Gesetz das Brechen des Fastens in der Öffentlichkeit. »Wenn jemand in der Öffentlichkeit isst oder trinkt, zwingen ihn die Ordnungskräfte, ein Papier zu unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, dies nicht wieder zu tun«, berichtet ein 20-jähriger Christ aus dem Zentrum des Irak. »Wir sind also mehr oder weniger gezwungen, ebenfalls zu fasten, oder wir müssen heimlich essen und trinken.«
Restaurants und Cafeterias auf Universitätsgeländen sind während des Ramadan geschlossen. Ein irakischer Priester berichtet: »Bei der Arbeit werden Christen durch negative Kommentare ihrer Kollegen unter Druck gesetzt, also essen sie heimlich.«
Man könnte meinen, dass der Druck in den kurdischen Regionen, wo die Gesetze lockerer sind, geringer ist, aber das ist nicht der Fall. Eine 30-jährige Christin berichtet von ihrer schlechten Erfahrung auf dem Markt von Erbil im irakischen Kurdistan letztes Jahr: »Wir waren auf dem Basar und wollten Wasser kaufen. Die Flaschen standen dort, gut sichtbar im Kühlschrank. Aber er weigerte sich kategorisch, ihn zu öffnen.«
Der Druck ist noch größer für Christen mit muslimischem Hintergrund, die ihre Konversion vor ihrer Familie verbergen, um gewalttätige Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden. Alle Rituale des Islam einzuhalten, in die Moschee zu gehen und zu fasten, ist für sie unumgänglich, wenn sie wollen, dass ihr Geheimnis nicht aufgedeckt wird.
In den kurdischen Regionen des Irak ist die Lage für Konvertiten grundsätzlich weniger kritisch. Dennoch bleibt der Ramadan eine schwierige Zeit: »Auch wenn die Familie von seiner Konversion zum Christentum weiß, wird ein Konvertit dennoch unter Druck gesetzt, die Rituale und Traditionen einzuhalten. Auf jeden Fall darf er nicht vor seiner Familie essen«, berichtet ein Gemeindeleiter in Kurdistan.
»Und selbst wenn die Familie keinen Druck ausübt, kommt dieser von der Gemeinschaft, von Freunden oder Nachbarn«, fügt er hinzu. »Eid al-Fitr, das das Ende des Ramadan markiert, wird daher von allen Christen im Nahen Osten mit Erleichterung begrüßt. Ab diesem Zeitpunkt können Christen endlich wieder in der Öffentlichkeit zu den Zeiten essen, die sie möchten.«
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