
Mitte Mai kam es im Norden Nigerias zu einer Welle der Gewalt, von der zahlreiche Christen betroffen waren. Unter den Opfern zweier Massenentführungen befanden sich auch Kleinkinder. Bei einem weiteren Angriff wurden sieben Geiseln nach einem Fluchtversuch enthauptet. Gleichzeitig gab US-Präsident Donald Trump den Tod eines hochrangigen Kommandanten des IS bei einer gemeinsamen Operation der nigerianischen und der US-Armee bekannt.
Am 15. Mai kam es zu zwei Angriffen durch bewaffnete Männer auf Motorrädern, die Kinder und Lehrkräfte entführten. Einer der Angriffe ereignete sich in Mussa im Bundesstaat Borno. Nach Angaben der BBC wurden etwa 50 Kinder aus drei Schulen und Kindertagesstätten entführt, die meisten von ihnen im Alter von nur 2 bis 5 Jahren.
Im Bundesstaat Oyo griffen bewaffnete Männer mehrere Schulen an. Ein Lehrer wurde getötet, und eine Schulleiterin sowie eine unbekannte Anzahl von Schülern wurden entführt, insgesamt zwischen 40 und 45 Personen. Die betroffenen Schulen waren die «Baptist Nursery and Primary School» in Yawota, die »Community Grammar School« in Ahoro-Esiele und die »L.A. Primary School« in Esiele. In einem Video appellierte die entführte Schulleiterin an die »Christian Association of Nigeria« (CAN), sich für die Freilassung der Geiseln einzusetzen.
Diese Schulen befinden sich in mehrheitlich christlichen Ortschaften, doch ist nicht sicher, ob alle Kinder christlicher Herkunft sind. Bislang hat keine Gruppe die Verantwortung für diese Angriffe übernommen.
Bei einem weiteren Vorfall am 12. Mai töteten Mitglieder einer Splittergruppe von Boko Haram mindestens sieben Gefangene. Die Opfer hatten versucht, aus einem Lager in den Bergen des Bundesstaates Borno zu fliehen. Nach Angaben eines lokalen Leiters aus der Region Gwoza waren alle Opfer Christen. Open Doors bemüht sich derzeit, diese Informationen von lokalen Partnern bestätigen zu lassen.
Um Angst und Schrecken zu verbreiten, sollen die Opfer vor den Augen anderer Gefangener, hauptsächlich Frauen und Kinder, enthauptet worden sein. Laut »Sahara Reporters« hält die Gruppe mehr als 400 Geiseln in abgelegenen Lagern in den Bergen fest, wo sich die Lebensbedingungen stark verschlechtern. In den letzten Monaten sollen zahlreiche Gefangene an Hunger, Misshandlungen, Zwangsarbeit, mangelnder medizinischer Versorgung und psychischem Druck gestorben sein.
Die anhaltenden Angriffe und Entführungen lösen in den christlichen Gemeinden große Angst aus.
»Diese Angriffe stören nicht nur die Aktivitäten der Kirchen, sie lähmen das gesamte Leben der Christen. Sie leben in Angst. Sie können weder in die Kirche gehen noch ihre Kinder zur Schule schicken. Das Leben steht still«
, erklärt Abiodun Musbau*, ein Kirchenleiter aus dem Norden Nigerias.
Die Lösegeldforderungen für die Freilassung von Kindern und Lehrern üben zudem starken finanziellen Druck auf die Kirchen und Familien aus. In der Vergangenheit haben einige Familien ihren gesamten Besitz verkauft, um das Lösegeld zu bezahlen.
Nigeria liegt auf Rang 7 auf dem dem aktuellen Weltverfolgungsindex, der Liste der Länder, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden.
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