
Als sie 18 Jahre alt war, entdeckte ihr Vater ihren Glauben an Jesus und brachte sie gewaltsam in ihr Dorf im Süden der Philippinen zurück. Leila wurde daraufhin in einer Madrasa (Koranschule) eingeschrieben und fühlte sich zunehmend isoliert, vor allem nach dem Tod ihrer christlichen Großmutter. Sie war die einzige Christin in Leilas Familie.
Leila durfte nicht mehr in die Kirche gehen und sich auch nicht mehr mit ihren christlichen Freunden treffen. Dennoch folgte sie heimlich weiter mutig Jesus nach – sie las in der Bibel und betete, so oft sie konnte, ohne dabei erwischt zu werden.
Heute, zwei Jahre nach Beginn der Verfolgung durch ihre Familie, ist die Stille in Leilas Haus noch bedrückender geworden. Das Ultimatum ihres Vaters ist klar: Entweder kehrt sie zu ihren traditionellen Wurzeln zurück oder sie wird für immer verstoßen.
Für alle, die nicht auf den Philippinen leben, ist es vielleicht schwer nachzuvollziehen, wie schwerwiegend Leilas Situation ist. In ihrer Gemeinschaft beruhen familiäre Loyalität, das persönliche Verhalten und der Wert eines Menschen auf dem kulturellen Konzept des Maratabat – einem tiefen Gefühl für die Ehre der Familie und den sozialen Status.
Für Leilas Vater ist die Treue seiner Tochter zu Jesus deshalb nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern eine öffentliche Schande für die Familie. Um diese vermeintliche Schande »wieder gutzumachen«, drohte die Familie damit, eine Ehe für Leila zu arrangieren – eine gängige Taktik, um junge Frauen zu isolieren und ihren neuen Glauben endgültig zu unterdrücken.
In dieser Kultur bedeutet verstoßen zu werden, alles zu verlieren: Schutz, Erbe, das Gefühl der Identität und soziale Beziehungen. Leila ist gezwungen, sich zu entscheiden zwischen dem Vater, den sie liebt – und damit verbunden ihrem ganzen Wert als Mensch – und dem Erlöser, der ihr beisteht.
Trotz monatelanger erzwungener religiöser Umerziehung ist Leilas Herz nicht ins Wanken geraten. Sie hält weiterhin an den Bibelversen fest, die sie heimlich auswendig gelernt hat, und schöpft Kraft aus der Geschichte von Paulus und Silas in Apostelgeschichte 16 – von Männern, die Gott priesen, selbst als sie in Ketten lagen.
»Ich weiß, dass es nicht einfach ist, Jesus nachzufolgen, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein würde«,
sagte sie mit Tränen in den Augen.
Ihr Glaube an Jesus hat sie zu einem Akt des Widerstands veranlasst. Einmal im Monat setzt Leila ihre Sicherheit aufs Spiel, um an einem Jugendtreffen teilzunehmen, das von Open Doors unterstützt wird. Dieses Treffen ist für sie der einzige Ort, an dem ihr Glaube und ihre neu gefundene Identität aufatmen kann.
»Seit einem Jahr versucht ihre Familie, sie ›umzuerziehen‹, aber bei diesen Treffen erinnern wir sie daran, wer sie wirklich ist. Hier ist sie weder eine Enttäuschung noch ein Problem, das es zu beheben gilt; sie ist ein geliebtes Kind des Königs«,
berichtet Ann*, eine lokale Partnerin von Open Doors.
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