
Radwan* ist Christ und lebt seinen Glauben in Saudi-Arabien in absoluter Geheimhaltung.
Da er mit seiner gesamten muslimischen Familie zusammenlebt, möchte er keine Bibel-App auf sein Handy herunterladen, aus Angst, dass jemand sie entdecken könnte. Sein Handy mit einem Passwort schützen? Undenkbar! Seine ganze Familie würde ihn verdächtigen und er müsste sich eine Lüge ausdenken, die er auf Dauer nur schwer aufrechterhalten könnte. Leider hat Radwan auch keinen Zugang zu einer Bibel in Papierform.
Eines Tages machte Radwan jedoch etwas »Verrücktes«. Er hielt es nicht mehr aus und postete einen Bibelvers auf WhatsApp.
Talal*, ein saudischer Christ, der in einem anderen Land Zuflucht gefunden hatte, sah diese Nachricht und hatte große Angst um Radwan: »Hatte er gerade sein Leben aufs Spiel gesetzt? Was um alles in der Welt hatte er getan?«
Talal war sehr besorgt und kontaktierte Radwan so diskret wie möglich. Der junge Mann versuchte ihn zu beruhigen: Er hatte diesen Vers nur mit Freunden geteilt, denen er vollkommen vertrauen konnte. Bis heute hat Radwan keine negativen Konsequenzen für diese Veröffentlichung zu spüren bekommen.
Die Folgen hätten jedoch verheerend sein können. Talal zufolge ist der Islam das Herzstück der saudischen Identität. Da sich Mekka und Medina auf saudischem Territorium befinden, ist das ganze Land sehr stolz darauf. Dieser Stolz kann es nicht zulassen, dass ein Saudi Jesus begegnet und ihm nachfolgen will. Es ist eine Frage der Identität, der Ehre und des Ansehens.
Wenn ein Saudi den Islam verlässt, wird er von seiner Familie verfolgt, lange bevor die Behörden sich einschalten.
Deshalb halten saudische Christen ihren Glauben streng geheim. Diese Geheimhaltung hat einen hohen Preis: Einsamkeit. Da sie nicht wissen, wem sie in ihrem Umfeld vertrauen können, sprechen sie mit niemandem darüber. Sie sind also auf ihrem Weg mit Jesus völlig auf sich allein gestellt.
Manche haben das Glück, zwei oder drei Brüder oder Schwestern in Christus zu kennen, mit denen sie sich von Zeit zu Zeit zu stiller Anbetung und lautlosem Gebet treffen.
Andere finden Unterstützung in Online-Selbsthilfegruppen, die von saudischen Christen organisiert werden, die im Ausland leben (wie Talal).
Aber nichts davon kann die tiefe Leere dieser Christinnen und Christen füllen, die im Verborgenen leben: Wie sollen sie unter diesen Umständen einen Partner finden? Wie sollen sie jemanden kennenlernen, der ihre Liebe zum Evangelium teilt? Wie sollen sie eine Familie gründen und den Glauben an Jesus an sie weitergeben?
So unglaublich es auch scheint, manche schaffen es tatsächlich. »Ich kenne zwei Familien, die kürzlich zu Jesus gefunden haben, und zwar mitsamt ihren Kindern!«, berichtet Talal. »Es war eine große Freude, sie kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen.« Und er fügt hinzu:
* Namen aus Sicherheitsgründen geändert»Gott wirkt in diesem Land.«
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