
Das Evangelium in Zentralmexiko zu verkünden, ist schwierig. Kartelle kontrollieren das tägliche Leben, und die Gemeinden stehen anderen Glaubensrichtungen feindselig gegenüber. Dennoch fühlte sich Juan Manuel Ruiz* gerade hier zum Dienst berufen. »Wir verkünden, dass Gott Leben verändern kann, dass die Menschen keine Drogen oder sonst etwas mehr brauchen, sondern nur noch ihn.«
Er zog 2013 mit seiner Familie dorthin, entschlossen, junge Menschen zu erreichen – selbst auf große Gefahr hin.
»Als ich diesen Ort zum ersten Mal betrat, spürte ich, wie der Herr zu meinem Herzen sprach: ›Erinnerst du dich daran, dass, wo immer deine Fußspuren hingehen, es zu meiner Ehre sein wird? Dies ist deine Zeit und dein Ort.‹«
Eines Tages, beim Joggen, drohte ihm eine Gruppe von Teenagern mit dem Tod, jagte ihn und bewarf ihn mit Steinen. »Sie waren weniger als einen Meter entfernt«, erinnert er sich. »Aber es war, als hätte jemand die Steine beiseitegeschoben.« Statt Wut veränderte sich etwas in seinem Herzen. »Gott sagte zu mir: ›So wie du mich brauchst, so brauchen auch sie mich.‹«
Von diesem Moment an sah er hinter ihre Gewalt. Diese jungen Menschen, fern von Gott, geprägt von zerrütteten Lebensumständen und voller Hoffnung.
Der Wendepunkt kam durch seine Tochter Karla*, die Fußball spielte. Durch ihre Spiele sah Juan Manuel die Realität, mit der die Jugendlichen konfrontiert waren: zerrüttete Familien, Armut und ständiger Druck, sich kriminellen Gruppen anzuschließen. »Es reicht schon, wenn jemand Geld anbietet«, erklärt er. Diese Realität machte deutlich, wie sehr diese jungen Menschen nicht nur einen Trainer, sondern Hoffnung brauchten.
Er erkannte sich selbst in ihnen wieder. Einst weit von Gott entfernt, war er aus der Sucht und einem Leben ohne Sinn gerettet worden. Jetzt wusste er, was sie brauchten. »Diese jungen Menschen brauchen echte Chancen. Sie brauchen eine andere Lebensweise.«
Diese Chance ergab sich, als er eingeladen wurde, eine Mädchenmannschaft zu trainieren, nachdem es zu einer Krise mit ihrem bisherigen Trainer gekommen war. Er gründete kleine Gebetsgruppen am Ende des Trainings. Nach und nach teilte er kurze biblische Gedanken mit ihnen.
»Ich habe ihnen beigebracht, wie Gott sie sieht – wie wertvoll sie in Seinen Augen sind.«
Karla stand ihm zur Seite. »Mit jedem Training wurden wir Freunde und sie öffneten ihre Herzen«, sagt sie.
Es kam zu einer Veränderung. Das Verhalten der Mädchen verbesserte sich, und sogar ihre Eltern bemerkten das. »Die Mädchen hörten auf, Schimpfwörter zu benutzen und aggressiv zu sein. Als man sie fragte, warum, sagten sie: ›Weil der Trainer mir gesagt hat, dass ich Gottes Tochter bin und mich auch so verhalten muss.‹«
Nach acht Monaten weitete Juan Manuel die Arbeit auf Buben und jüngere Kinder aus.
Innerhalb eines Jahres hörten mehr als 120 junge Menschen durch Fußball das Evangelium. Seine Arbeit wurde bekannt, und in den umliegenden Gemeinden öffneten sich weitere Türen.
Er begann, in der ganzen Region Trainingseinheiten zu leiten und Workshops auf der Grundlage biblischer Prinzipien in Schulen und Kulturzentren abzuhalten. Außerdem richtete er eine Gemeinschaftsküche für Kinder aus einkommensschwachen Familien ein und besuchte Rehabilitationszentren, um dort das Evangelium zu verkünden.
Die Wirkung reichte weit über den Platz hinaus. Laut einer Studie der örtlichen Polizei ging die Gewalt an den örtlichen Schulen stark zurück, und junge Menschen begannen, einen anderen Weg einzuschlagen – einen, der von Gottes Liebe und Sinn geprägt ist.
»Als die Polizei die Jugendlichen fragte, warum, sagten sie: ›Na ja, der Pastor lehrt uns, dass wir anders leben können‹«, erinnert er sich. Sogar zwei Teenager, die einst versucht hatten, ihn umzubringen, gehören nun zur Gemeinschaft.
»Jetzt sind diese Jungs meine Freunde. Sie kümmern sich um mich und fragen mich um Rat«, sagt er. »Uns wurde klar, dass das, was wir durch den Fußball taten, die Gemeinde weit über unsere Erwartungen hinaus veränderte. Es war nicht mehr nur eine Mannschaft; es war ein Dienst zur Ehre Gottes.«
Je mehr der Dienst wuchs, desto größer wurden auch die Risiken. Kartellmitglieder überwachten die Aktivitäten. Manchmal wurde Juan Manuel bedroht oder der Zugang zu bestimmten Bereichen verwehrt. »Wir durften nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen, und schon vorher mussten wir um Erlaubnis bitten«, erinnert er sich.
Auch Dorfvorsteher haben ihnen Steine in den Weg gelegt, indem sie Pflichtversammlungen zur gleichen Zeit wie ihr Training ansetzten. »Trotzdem schlichen sich die Kinder weg, um dabei zu sein«, fügt er hinzu.
Anfang des Jahres, nachdem eine Regierungsaktion gegen einen Kartellführer Gewalt ausgelöst hatte, erhielt er explizite Morddrohungen. Juan Manuel und seine Familie waren fast zwei Wochen lang auf der Flucht.
Er erinnert sich noch gut an diese Tage: Motorräder mit bewaffneten Männern, die durch die Nachbarschaft patrouillierten, brennende Autos auf den Straßen und überall Angst. »In den Nachrichten wird nicht gezeigt, was wirklich passiert«, erklärt er, »das ist für uns Alltag.«
Trotzdem bleiben sie standhaft. »Meine Familie und ich haben beschlossen, dass es wichtiger ist, das Wort Gottes weiterzugeben. Trotz der Risiken vertrauen wir auf Gott mehr als auf unsere Ängste.«
Vor drei Jahren nahm Open Doors Kontakt zu Juan Manuel auf und lud ihn zu einer Schulung mit dem Titel »Standing Strong Through the Storm« ein. »Mir wurde klar, dass wir Verfolgung durchlebten; und wie wichtig es ist, gestärkt zu sein, um ihr gut zu begegnen«, sagt er.
Seitdem hat sich seine Sichtweise verändert – und damit auch die Wirkung seines Dienstes.
Einige der Jugendlichen, die er betreut, fangen nun selbst an, das Evangelium weiterzugeben. »Sie sagen: ›Jetzt, wo wir ausgerüstet sind, wollen wir andere unterstützen, die ähnliche Situationen durchmachen.‹«
Auch Karlas Glaube ist durch diesen Prozess stärker geworden. »Gott hat mir etwas über seine Ausdauer beigebracht«, sagt sie. »Seine Liebe ist geduldig; sie wartet auf uns. So hat er in den Herzen dieser jungen Menschen gewirkt.«
Heute ist das Fußballteam-Projekt beendet, aber die Mission geht weiter.
Juan Manuel und seine Familie engagieren sich nach wie vor in Schulen und Gemeinden und verkünden das Evangelium, wo immer sich Türen öffnen. Vor kurzem erhielt er die Gelegenheit, wieder als Trainer an einer der örtlichen Schulen zu arbeiten.
Er leitet nun seine Gemeinde und investiert weiterhin in die nächste Generation. »Es ist ein Segen, dass Gott uns auf seinen Plan fokussiert hält … das ist meine Berufung, bis er mich zu sich holt.«
Sein Gebet bleibt dasselbe: »Herr, hilf uns, noch einen Menschen, noch eine Familie zu erreichen.«
Trotz anhaltender Herausforderungen – darunter die notwendige Operation seiner Frau – vertraut die Familie weiterhin auf Gott und dient ihm treu. Da die Weltmeisterschaft die Aufmerksamkeit auf Mexiko lenkt, bittet Juan Manuel um Gebet:
»Wir erleben schwierige Zeiten. Lasst uns den Moment genießen; aber lasst uns auch für die Gemeinde Fürbitte einlegen. Wir brauchen Menschen, die bereit sind zu sagen: ›Hier bin ich. Sende mich.‹«
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